Brühler Kunstverein
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INTERIM 16 - Mitgliederausstellung

Ausstellung vom 23. bis 31. Juli 2016

Vernissage: Freitag, 22. Juli 2016, 19.30 Uhr in der Rathausgalerie, Uhlstr. 2, Brühl.

Begrüßung: Manfred Mußmann
Einführung: Günter Wagner, M.A.

Finissage: Sonntag, 31.7.2016 um 15 Uhr


Der Brühler Kunstverein ermöglicht einmal im Jahr seinen Mitgliedern unter dem Titel INTERIM eine eigene Ausstellung zu präsentieren. Dieses Mal findet die INTERIM 16 nicht am gewohnten Ausstellungsort "Alte Schlosserei des Marienhospitals" statt, sondern in der Rathausgalerie in der Uhlstraße 2. Zwei Malerinnen und ein Fotograf werden eine Auswahl aus ihrem Werk zeigen.

Die Künstler der INTERIM 16
Die Künstler der INTERIM 16: Brigitte Zeitz, Dorothee Sapia und Dieter Schöddert (v.l.n.r.)

Zu den Künstlern:

Der Fotograf und Galerist Dieter Schöddert präsentiert einen Querschnitt seiner Fotoarbeiten. Darunter großformatige Stillleben, Portraits und konzeptionelle Fotografie.

Dorothee Sapia, deren figürliche Ölmalerei einigen Brühlern aus Ausstellungen im Café Duett bekannt ist, zeigt das erste Mal ihre Collage-Arbeiten in Brühl. Sie möchte "die Natur für sich sprechen lassen", wenn sie Baumblätter durch Frottage und Foto-Techniken auf dünnes Papier und dann auf Leinwand bringt.

Brigitte Zeitz präsentiert Farbholzschnitte - ausnahmslos Unikate - aus zwei Serien. Während bei "Licht und Raum" der Fokus auf der räumlichen Tiefe liegt, geht es ihr bei der Serie "Streiflichter" um eine leichte, lichte Farbigkeit, die sich zu der räumlichen Tiefe gesellt.

Wichtiger Hinweis:
Die Ausstellung findet nicht in der Alten Schlosserei des Marienhospitals statt, sondern in der Rathausgalerie, Uhlstr. 2

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag: 11.30 - 13.30 und 16.00 - 20.00 Uhr
Samstag bis Sonntag: 11.00 - 18.00 Uhr

Einladungskarte INTERIM

INTERIM 16 - Rede zur Eröffnung

Drei Mitglieder des Brühler Kunstvereins und drei Künstler, die Arbeiten in unterschiedlichen Techniken zeigen. Doch so verschieden sich die Werke hier präsentieren, sie haben etwas gemeinsam: den Druck bzw. den Abdruck.

Brigitte Zeitz zeigt Drucke von Holzschnitten in zwei Serien: "Licht und Raum" (2014) und "Streiflichter" (2016). Die Drucke sind Unikate, zum Teil Handabzüge und zum Teil mit einer Druckpresse. Es wurden jeweils mehrere Holzdruckplatten benutzt. Dadurch kommen mehrere Farben ins Spiel, durch Überschneidungen werden interessante Effekte hervorgerufen und die Bilder erhalten eine Tiefe.
Im Gegensatz zum Linolschnitt - bekannt - ist der Holzschnitt eine weitaus anstrengendere Sache. Zeitz arbeitet sowohl mit Positiv-Schnitt- als auch mit Negativ-Schnitt. Im ersten Fall wird alles weggenommen, nur die Linien bleiben stehen und werden gedruckt (Schwarzlinienschnitt). Beim Weißlinienschnitt werden die Linien und Formen ausgeschnitten, und die Flächen werden gedruckt. Je nach Drucktechnik ist die Holzmaserung zu erkennen, wie bei Licht und Raum, wo größere Flächen stehen bleiben.
Thematisch geht es in diesen Bildern um Perspektive, Raumtiefe und den Einfluss des Lichts. Zeitz experimentiert gerne, sowohl, was die Ausrichtung der Druckplatten angeht als auch die Kombination und Art der Farben. So akzeptiert sie gerne zufällige Ergebnisse, deren Zustandekommen dann aber auch ihr Geheimnis bleibt. Besonders eindrucksvoll kommt dies in der zweiten Serie zum Ausdruck. Streiflichter. Durch das Übereinanderdrucken der verschiedenen Linienmuster entstehen Werke von großer Tiefe, zunächst durch den formalen Aspekt (die Dicke der Linien), der durch die farbige Wirkung noch unterstützt wird. Sie realisiert hier ganz zarte Arbeiten, die der Schwere der handwerklichen Technik des Holz Schneidens entgegen wirken.

Dorothee Sapia stellt neue Arbeiten in einer Collagetechnik aus. Die dabei verwendeten Bilder sind durch verschiedene Abdrucktechniken entstanden. Zart wirken die dünnen Papiere, die sie als Ausgangsmaterial für ihre Collagen auf Leinwand benutzt. Die wiederkehrenden Motive lassen zunächst auf eine Art Seriendruck schließen - nicht zuletzt hat sie sich bei der ersten Arbeit dieser Art, ein Kolping-Portrait - von Andy Warhol anregen lassen. Und tatsächlich benutzt sie bei einem Motiv einen indischen Druckstempel und das Motiv des Farns ist in einem Fotodirektdruckverfahren entstanden. Durch unterschiedliche Einfärbungen der Papiere erreicht sie bei demselben Motiv individuelle Ausrichtungen. Bei weiteren Motiven (Spirale) benutzt sie Schablonen und bei den Ginkgo- und Eichenblättern nimmt sie die natürlichen Blätter und reibt sie in einer der Frottage ähnlichen Technik durch die Papiere. Als Farbe benutzt sie verdünnte Ölfarbe oder auch Ei-Tempera. Die einzelnen Papiere werden kombiniert auf Leinwänden aufgebracht und fixiert, und diese dann schon mal zu Diptychen oder Triptychen kombiniert.
Bei den Farben herrschen Grün- Rot- und Blautöne vor. Sie sollen leuchten, Komplementärkontraste sind gewollt. Sapia ist wichtig, dass ein Farbklang entsteht. Wie in der Musik, die sie gerne zur Anregung beim Malen hört, sollen ihre Bilder einen Rhythmus entwickeln. Die Motive (Spirale, Blatt, Stempel) kann man als Symbole und Metaphern sehen. So lassen sich die Bilder - auch anhand der Titel, die sie als Denkanstoß für den Betrachter sieht - entschlüsseln.

Dieter Schöddert präsentiert fotografische Arbeiten, die in speziellen Druckverfahren auf verschiedene Untergründe - Leinwand oder Karton - aufgebracht werden. Im Gegensatz zu den beiden Werkreihen von B. Zeitz und D. Sapia, bei denen ja der Zufall eine gewisse Rolle spielt und von den Künstlerinnen auch gerne akzeptiert wird, sind die fotografischen Stillleben von Dieter Schöddert streng komponiert und bis in Einzelheiten genau ausgerichtet. Sie erinnern auf den ersten Blick an die gemalten Stillleben großer Meister - und das sollen sie auch. Nicht zuletzt deshalb wählt Schöddert für die Präsentation die entsprechenden Goldrahmen und die Staffelei. Im Atelier arrangiert er die einzelnen Bestandteile wie Gefäße, Teller, Obst, Brotlaibe auf edlen Tüchern, leuchtet sie aus und fotografiert sie.
Erst auf den zweiten Blick erkennt der Betrachter Dinge, die nicht so recht zum Ambiente passen: ein elektrisches Messer, eine Süßstoff-Flasche, eine Fischerman-Friend-Packung. Mich erinnert das an den Film des Regisseurs Derek Jarman über den Maler Caravaggio, in dem nicht zeitgenössische Dinge wie eine Schreibmaschine oder ein Taschenrechner auftauchten. Hier wie dort wirkt die Entdeckung irritierend, aber bei Schöddert helfen die Objekte bei der zeitlichen Verortung des Motivs. Es handelt sich eben nicht um ein Stillleben aus der Blütezeit des Genres im 17. oder 18. Jahrhunderts., sondern aus der Gegenwart, mit modernen digitalen Geräten aufgenommen und ausgedruckt - und kann dadurch, eben auch wie Jarmans Film, eine gewisse Zeitlosigkeit für sich reklamieren.
Noch strenger konzeptionell geht D. Schöddert bei den sogenannten Pixelarbeiten vor. Digitale Fotografie besteht aus unzähligen - oder sogar zählbaren - Einzelpunkten, die wie ein sehr kleinteiliges Mosaik ein Gesamtbild ergeben. Abhängig von Auflösung und Vergrößerung, kann man diese einzelnen Punkte bzw. Quadrate sichtbar machen. Schöddert löst also ein mehr oder weniger beliebiges Bild in seine Einzelteile auf und arrangiert diese neu. Sie werden nach Farbigkeit oder Helligkeit geordnet oder verschmelzen zu einem einzigen Quadrat und ergeben damit sozusagen die Quintessenz der Farbigkeit eines Bildes. Eine überaus interessante Technik, die sich auf jedes digitale Bildmaterial anwenden lässt und zu einem eindeutigen Ergebnis führt - also kein Zufall im Spiel.
Beispielhaft noch ein Portrait einer jungen Frau (Tochter) - auch dieses ist nach strengen formalen Richtlinien ausgerichtet. Kopfhaltung, Blickrichtung, Beleuchtung sind vorgegeben - wer sich gerne so festgehalten sehen möchte, kann sich gerne an den Fotokünstler wenden.

Drei Künstler - innen zeigen heute Werke, die alle in einem gewissen Sinne der Drucktechnik unterliegen. Das ist es aber auch schon mit Gemeinsamkeiten. Die Werkreihen sind sehr individuell, aber sie harmonieren miteinander. Und sie sind so gegensätzlich, dass sie den Betrachter herausfordern. Wir können sie einzeln betrachten, wir können sie in Beziehung setzen, wir können sie gegeneinander stellen - eine Spielwiese, der wir uns öffnen können und sollten.

Günter Wagner, M.A., Brühl, 22. Juli 2016