Brühler Kunstverein
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HIROKO - STROMAUFWÄRTS - STROMABWÄRTS

Ausstellung vom 18. September bis 8. Oktober 2016

Eröffnung: Sonntag, 18. September, 11.00 Uhr:
Einführung: Monika Cura - Cura für die Kunst

Finissage mit Künstlergespräch: Samstag, 8. Oktober 2016, 15.00 Uhr

Öffnungszeiten: Mi - So 15:00-17:00 Uhr, der Eintritt ist frei!

Die Werke der japanischen Künstlerin HIROKO Nakajima, die in Köln und Avignon lebt und arbeitet, vereinen Gegensätzliches. Ihre Malweise ist energisch und kraftvoll und dennoch von schwebender Leichtigkeit und Poesie. Ihre Arbeiten erinnern an kalligraphische Zeichen, sind aber eher verwandt mit der japanischen Schriftkunst Sho, bei der es weniger um die Schrift selbst als um den Ausdruck der Persönlichkeit geht.

Geboren wurde HIROKO 1948 in Japan und lebt seit 1958 in Deutschland, wo sie in Köln Bildhauerei studierte. In Japan machte sie sich mit der Sho-Malerei vertraut.
Die Künstlerin nutzt dabei Tusche, Pinsel, Papier, Leinwand, um daraus eine expressive Malerei entstehen zu lassen. Ihre kraftvollen und raumgreifenden Formen wirken wie hingeworfen mit leichter Hand und sind dennoch Ausdruck einer außergewöhnlichen Technik- und Körperbeherrschung. Ein Schriftzeichen ist meist bei HIROKO der Ausgangspunkt für ein Werk, wird aber frei und individuell interpretiert. Der Pinsel, manchmal ist er von erstaunlicher Größe und muss mit beiden Händen gehalten werden, wird nach dem Eintauchen in die Tusche ohne Unterbrechung über das Blatt geführt. Dabei beschränkt sich die Künstlerin in der Form- und Farbwahl auf das Wesentliche.

Die neuesten Arbeiten HIROKOS, die auch in der Ausstellung zu sehen sind, zeigen ihre Auseinandersetzung mit den für sie prägenden Flüssen Rhein und Rhone.


HIROKO





Einführungsrede von Monika Cura - Cura für die Kunst

"Sehr verehrte Gäste und Mitglieder des Brühler Kunstvereins!

Eine Ausstellung wird eröffnet, eine Künstlerin ist eingeladen, ihre Arbeiten vorzustellen. Ich darf das für sie tun.

Sie alle haben schon beim Hereinkommen gesehen, dass hier Großes installiert ist, Kraftvolles und sehr Emotionales.
Es ist möglich, Sie lassen diese Bilder so auf sich wirken, Sie nehmen sie an, wie sie sind, Sie lassen sich ein - auf Schwarz auf Weiß.

Durchaus können aber auch Fragen gestellt werden, was steht dahinter, wer steht dahinter, was sehe ich eigentlich da, was wird beschrieben flußaufwärts, flußabwärts?

Die Künstlerin HIROKO Nakajima ist in Osaka in Japan geboren, aufgewachsen ist sie jedoch, nach einem relativ kurzen Aufenthalt in Indien, in Deutschland.

Die Familie hat Japan verlassen, weil Herr Nakajima sich so außerordentlich zu deutscher Musik und besonders auch zu deutscher Literatur hingezogen fühlte.

Er ist keineswegs als Ingenieur von seiner Firma nach Europa versetzt worden, sondern er selbst hat für sich und seine Familie diesen Weg gewählt, um seinen kulturellen Interessen auch geografisch nahe zu sein.

Was bedeutet das für ein Kind wie HIROKO und ihre drei Geschwister?
Zu Hause wird natürlich japanisch gesprochen, in der Schule und im gesamten Umfeld spricht jeder Deutsch. Zu Hause wird japanische Kultur gelebt, außer des familiären Raumes findet der deutsche, der europäische Einfluß statt.

In der Zeit, als die Familie hier ankam, war man begeistert von Weltbürgern wie den Nakajimas. Sie brachten lang vermisste Internationalität ins Nachkriegsdeutschland. Japan und seine alte Hochkultur betrachtete man mit großer Achtung.

Nach dem Abitur geht HIROKO , die in der Tradition zweier Kulturen aufgewachsen ist, zum Studium nach Japan, nach Tokio. Sie wählt als Studienfach Sho, die Schriftkunst in der spezifischen japanischen Tradition hoher handwerklicher Kunstfertigkeit.
Dabei lernt sie aber auch von ihren Meistern, dass es wichtig ist, nicht ausschließlich die Zeichen perfekt wiederzugeben, was in erster Linie die Forderung der Schreibtradition ist, sondern sich auch den Emotionen des Schreibers zu nähern.
Erst die perfekte Beherrschung der Schriftkunst in allen ihren Facetten kann die Freiheit geben, Eigenes auf dieser Grundlage zu erarbeiten.

Die traditionelle, kalligraphische Basis und gleichzeitig die Befreiung daraus, machten es HIROKO möglich, sich als Malerin abstrakter Bilder, als Sho Malerin, sich selbst heranzubilden.

War zu Beginn ihres Weges meist noch das Schriftzeichen der geistige Ansatzpunkt ihrer Malerei, so hat sie sich heute davon freigemacht. In geistiger Unabhängigkeit und großer Emotionalität hat sie die strengen Forderungen der traditionellen Schriftkunst für ihre Malerei außer Kraft gesetzt.

Flußabwärts Flußaufwärts hat ausschließlich mit den Linien des Wassers zu tun, keineswegs führt ein kalligraphischer Weg dahin. Das Wasser kann wild spritzend, schäumend und wirbelnd sein, aber auch freundlich langsam fließend, dahin plätschernd sich zeigen. Das Licht wird reflektiert, scheint hindurch, kann durch das Wasser verstärkt gleißen, sprühen oder drohend im Dunkel vergurgeln.

Die Künstlerin fühlt sich vom Wasser überaus angezogen, ja beeinflußt. Sie lebt schon lange in der Nähe zweier großer europäischer Ströme, des Rheins und der Rhône, sogar ihre Atelierfenster in Köln gehen hinaus aufs Wasser.
Aber auch die Maltechnik ihrer Bilder hat immer Wasser als Grundlage. Viele Jahre war die Tusche ihr Medium, zählt sie doch auch zu den traditionellen Grundlagen des Sho.

Der kraftvolle Körpereinsatz, den die Pinselführung in der Sho Malerei benötigt, kann nur mit großem spirituellen Einsatz aufgebracht werden. Sodass eine Arbeit von HIROKO, die stets ohne Absatz, in einem Zug entsteht, nicht möglich ist, ohne gründliche meditative Vorbereitung.

Heute arbeitet HIROKO meist mit Acryl, und speziell auch die Arbeiten in der hier gezeigten Installation, mit Gouache. Beides sind Maltechniken, die Wasser benötigen und die je nach Dosierung ihre gewünschte Wirkung entfalten.

HIROKO empfindet ihre Malerei selbst als skulptural. Sie hat das Gefühl, dass sich Teile herausheben, absetzen oder gar dem Bild entsteigen. Dieser Vorstellung ist sie in letzter Zeit nachgegangen und hat besondere dreidimensionale Stücke ihrer "Wasserbilder", wenn ich es so benennen darf, aus dem Zusammenhang des Malflusses herausgenommen und sie auf Holz übertragen.

So sehen Sie hier jetzt Skulpturen, die ohne die Bilder nicht entstanden wären, die losgelöst vom bisherigen Werk von HIROKO nicht denkbar wären. Sie sind auch eine folgerichtige Entwicklung und Antwort auf den zweiten Teil ihrer künstlerischen Ausbildung. Nach dem Studium in Japan ist HIROKO nach Deutschland zurückgekommen und hat in Köln an der Fachhochschule für Kunst und Design Bildhauerei studiert.
Die intensive Beschäftigung mit dem Skulpturalem nach europäischer Tradition hat sie lange scheinbar verborgen gehalten, möglicherweise ehe sie sich ihrer Freiheit und Meisterschaft in der Sho Malerei sicher war, wenn ich es so interpretieren darf.
Jetzt kann sie die Verbindung beider Sichtweisen eines Themas herstellen, ja sie sieht deutlich, dass ihr dreidimensionales Gefühl für ihre Bilder auch in Teilen selbstständig werden kann und auch alleine Bestand hat.
Das Abstrakte der Bilder findet hier ihre greifbare Fortsetzung in Holz.

In ihren Arbeiten entfaltet HIROKO emotional und intellektuell in großer geistiger Freiheit immer aufs Neue eine individuelle und sensible Verbindung der beiden Kulturen, die sie geprägt haben.

Die Künstlerin gewährt uns durch ihr Schaffen hier in Europa Einblick in die japanische Kultur der Avantgarde, und doch ist auch ein Anklang an Westlichem dabei zu spüren.

Welch eine bemerkenswerte, wunderbare Verbindung ist ihr da gelungen.

Ich danke Ihnen, dass Sie mir zugehört haben."

Monika Cura - Cura für die Kunst, Brühl, 18.9.2016
www.curakunst.de





 

Bilder von der Eröffnung

Eröffnung Brühler Kunstverein, © BKV

Die Künstlerin HIROKO Nakajima

Eröffnung Brühler Kunstverein, © BKV

Kunstvereinsvorsitzende Gaby Zimmermann (r) begrüßt die Künstlerin HIROKO und Monika Cura und eröffnet die Ausstellung.

Eröffnung Brühler Kunstverein, © BKV

Monika Cura führt mit einem kenntnisreichen Vortrag in das Werk ein.

Eröffnung Brühler Kunstverein, © BKV

HIROKO signiert einer Besucherin einen Katalog

Eröffnung Brühler Kunstverein, © BKV

Wie immer ist die Vernissage gut besucht.


Blick in die Ausstellung


HIROKO Nakajima - STROMAUFWÄRTS - STROMABWÄRTS, © BKV/HIROKO

HIROKO Nakajima - STROMAUFWÄRTS - STROMABWÄRTS, © BKV/HIROKO

HIROKO Nakajima - STROMAUFWÄRTS - STROMABWÄRTS, © BKV/HIROKO

HIROKO Nakajima - STROMAUFWÄRTS - STROMABWÄRTS, © BKV/HIROKO

HIROKO Nakajima - STROMAUFWÄRTS - STROMABWÄRTS, © BKV/HIROKO

Fotos: G.M.Wagner