Brühler Kunstverein
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Angela Stauber - echo

Malerei, Druckgrafik, Installation

Ausstellung vom 21. Oktober bis 12. November 2016


Vernissage: Freitag, 21. Oktober, 19.30 Uhr
Einführung: Hanna Styrie, M.A.

Finissage mit Künstlergespräch: Samstag, 12. November 2016, 15.00 Uhr

Der Brühler Kunstverein zeigt in seiner letzten Ausstellung in diesem Jahr vom 21. Oktober bis 12. November 2016 einen Werkkomplex der in London lebenden Künstlerin Angela Stauber. Neben Malerei und Druckgrafik präsentiert sie erstmals eine Installation.

Angela Stauber setzt sich in ihrem malerischen, zeichnerischen und druckgrafischen Werk mit der Erfahrbarkeit von Raum und Räumlichkeit auseinander. Ihre Arbeit basiert auf der Idee, dass das, was im Äußeren - in der sichtbaren Welt - existiert, einen Wiederhall in der inneren, emotionalen Welt findet. Außen und Innen sind in ständigem Austausch. Verändert sich ein Umfeld, beeinflusst dies die Gefühle, Gedanken, Handlungen.

In ihrer Malerei und Druckgrafik bringt Angela Stauber genau dieses stetige Hin und Her zwischen der inneren und äußeren Realität zum Ausdruck. Motivisch stehen dabei Interieur und Stillleben für das Innere, Ausschnitte aus Architektur und Stadtansichten für das Äußere. Im Brühler Kunstverein präsentiert sie erstmals in einer Installation eine Verschränkung der Räume: der Makrokosmos Stadt und der Mikrokosmos Innenraum werden miteinander verbunden. Die Stadt wirkt dadurch wie eine Kulisse für die Malerei, die ihrerseits zwar intime Beobachtungen von Innenräumen zeigt, aber wiederum eine Illusion und damit Öffnung nach außen beinhaltet. Das Wechselspiel zwischen äußeren Gegebenheiten und emotionaler Realität wird so zum Ausdruck gebracht.

"Meine Arbeiten zeigen die Vielschichtigkeit von Wahrnehmung an sich, und zwar in der Art und Weise, wie ich die Dinge male oder zeichne: transparent, ineinander verlaufend, geschichtet, nur teilweise in der Form erkennbar, rätselhaft. Ich finde Bilder für verschiedene Wirklichkeiten, die sich im Spannungsfeld von real und irreal bewegen. Stets gehe ich dafür von dem aus, was ich sehe - vor mir im Atelier oder draußen in der Stadt. Daher spielt der Raum motivisch eine große Rolle. Obwohl ich diesen beobachte, entsteht eine autonome Malerei. Denn ich bilde nicht das Gesehene ab, sondern transformiere es." (Zitat Angela Stauber)

Weitere Infos zu Angela Stauber unter www.angelastauber.de


Angela Stauber - Stadtformen

Angela Stauber, Stadtformen

Angela Stauber

Angela Stauber, de - illusion




Einführungsrede von Hanna Styrie, M.A zur Eröffnung am 21.10.2016

Sie haben es eben schon gehört, Angela Stauber lebt in München und in London - zwei betriebsamen Metropolen ganz unterschiedlicher Prägung, in denen sie sich abwechselnd aufhält.

Auf ihr künstlerisches Tun hat das Leben in der Stadt seit etwa drei Jahren nachhaltigen Einfluss: in ihrem malerischen, zeichnerischen und druckgrafischen Werk setzt sie sich intensiv mit der Erfahrbarkeit von Raum und Öffentlichkeit auseinander.

Gleichrangig stehen sich dabei die laute Welt draußen und der geschützte, private Innenraum gegenüber.

Hier im Kunstverein präsentiert Angela Stauber nun eine Verbindung dieser vermeintlichen Gegenwelten: der Makrokosmos Stadt und der Mikrokosmos Innenraum treffen erstmalig aufeinander.
Für die Darstellung beider Sphären hat sie jeweils eine ganz eigene Sprache gefunden.

Der Pulsschlag urbanen Lebens verdichtet sich auf großflächigen Wandarbeiten, wie wir sie hier im Ausstellungsraum sehen, aber auch auf Planen, Plakatwänden und Litfaßsäulen, die für begrenzte Zeit im öffentlichen Raum platziert wurden.

Die Entstehungsgeschichte dieser Werkgruppe will ich Ihnen nicht vorenthalten:
Bei einem mehrwöchigen New York-Aufenthalt hat Angela Stauber inmitten des städtischen Trubels kleine Kugelschreiber-Zeichnungen angefertigt, in denen sie räumliche Situationen skizzierte. Als sie ins Atelier zurückkehrte, hatte sie das Bedürfnis Zitat "die vielfältigen Formen der Zeichnungen nochmals zu fassen, zu komprimieren, auch zu reduzieren. So kam ich darauf, Linolschnitte anzufertigen. Ich wollte `die Stadt an sich` herausfiltern" Zitat Ende.

In der Folge entstand eine 13-teilige Serie von Linoldrucken, der sie den treffenden Titel "Die Transformation der Stadt" gab. Angela Staubers Absicht ist es nämlich nicht, die Wirklichkeit abzubilden, selbst wenn sich aus den Negativ- und Positivformen etwa Häuserblöcke, Menschen, Autos und Bäume herausschälen.

Der komplexe Aufbau der Arbeiten entspricht der Vielschichtigkeit des städtischen Geschehens, die flirrende Unruhe, die von ihnen ausgeht, dient dazu, uns Energie, Dynamik und das permanente Hintergrundrauschen städtischen Lebens einmal mehr bewusst zu machen.

Hier im Kunstverein hat sie den Stadtraum ausnahmsweise nach innen projiziert und auch den sonst üblichen harten Schwarz-Weiß-Kontrast zugunsten des sanfteren Grau aufgegeben.

Als wir uns gestern hier trafen, habe ich sie noch bei der Arbeit erlebt und konnte sehen, wie sehr sie beim Befestigen der Einzelteile auch körperlich involviert war. "Ich liebe große Formate", hat sie mir aller Anstrengung zum Trotz versichert. Und wie Sie vielleicht schon bemerkt haben, hat die Dimension auch den Effekt, dass man als Besucher quasi Teil Ganzen wird.

Bei längerem Hinsehen wird deutlich, wie präzise Angela Stauber ihre Umgebung beobachtet. Die künstlerische Umsetzung der vielfältigen Eindrücke gelingt auf eine formal überzeugende Art und Weise; was wir hier sehen, ist sozusagen die Essenz ihrer Empfindungen.

Das ist freilich nicht alles: die Betrachtung dieser sorgfältig herausgefilterten Momentaufnahmen fordert uns zugleich zum Nachdenken über die sozialen und ökonomischen Bedingungen auf, mit denen wir in unserem Umfeld tagtäglich konfrontiert sind.

Eine völlig andere Anmutung haben die Innenaufnahmen, für die Angela Stauber das Medium der Malerei wählt. Auch bei den Interieurs und den Stillleben ist der Grad der Abstraktion hoch, wird das Gesehene reduziert, aufgelöst, eventuell in der Farbwirkung gesteigert. Auch hier spielen die Nichtfarben Schwarz und Weiß eine tragende Rolle. Das Format ist zwar deutlich kleiner, kann dem großen Tableau aber standhalten.

Der Strich ist großzügig und entschieden, die schwarz-weiße Tonalität wird gebrochen durch Pinselspuren in Blau, Gelb und Grün. Die Bilder sind sorgfältig komponiert, ebenso der malerische Aufbau. Die geheimnisvolle Anmutung erzielt Angela Stauber durch schwarz grundierte Leinwände, bei denen sie sich das Licht zurück erobern muss.

Sie haben vielleicht schon vermutet, dass es sich um das Atelier der Malerin handelt. Dreimal sehen wir denselben Durchblick, jedes Mal werden wir durch eine virtuose Lichtführung in das Bild hineingesogen - und doch behält der Raum die magische Aura, die man mit einem Ort künstlerischer Schöpfungen verbindet.

Das Bild vom Raum steht für Angela Stauber sinnbildlich für die Verortung des Menschen an sich - und wir als Betrachter werden wiederum zu einer eigenen Standortbestimmung angeregt.

"Echo" hat sie die Ausstellung betitelt, weil sie gerne mit Dualitäten arbeitet und uns in dieser Ausstellung - der ersten übrigens, die sie im Rheinland hat - einem Wechselspiel von innen und außen aussetzt.

Mit den kleinformatigen Stillleben, einer weiteren Werkgruppe, greift Angela Stauber ebenfalls ein klassisches Genre auf - weil sie "den Zauber der simplen Dinge liebt", wie sie mir erzählt hat. Und so sehen wir hier alltägliche Gegenstände aus dunklem Malgrund aufleuchten- als ein kleines Stück Welt, das sie herausgenommen und gefasst hat.

Zum Abschluss soll die Künstlerin noch einmal selbst zu Wort kommen:
ich zitiere "Ich finde Bilder für verschiedene Wirklichkeiten, die sich im Spannungsfeld von real und irreal bewegen. Stets gehe ich dafür von dem aus, was ich sehe - vor mir im Atelier oder draußen in der Stadt. Daher spielt der Raum motivisch eine große Rolle. Obwohl ich diesen beobachte, entsteht eine autonome Malerei. Denn ich bilde nicht das Gesehene ab, sondern transformiere es."

Damit entlasse ich Sie in die Ausstellung und lege Ihnen dringend ein Gespräch mit Angela Stauber ans Herz, mit der man ganz wunderbar über ihre Arbeit sprechen kann.

Hanna Styrie, M.A

 

Bilder von der Eröffnung


Eröffnung Angela Stauber, ©  Brühler Kunstverein
Kunstvereinsvorsitzende Gaby Zimmermann stellt die Künstlerin Angela Stauber vor.

Eröffnung Angela Stauber, ©  Brühler Kunstverein
Hanna Styrie erläutert kenntnisreich die ausgestellten Arbeiten von Angela Stauber.

Eröffnung Angela Stauber, ©  Brühler Kunstverein
Die Künstlerin Angela Stauber ist extra von London zur Eröffnung angereist.

Eröffnung Angela Stauber, ©  Brühler Kunstverein
Besucher vor den Werken der Künstlerin

Eröffnung Angela Stauber, ©  Brühler Kunstverein
Besucher vor den Werken der Künstlerin

Eröffnung Angela Stauber, ©  Brühler Kunstverein
Viele Besucher bei der Vernissage

Fotos: G.M.Wagner